Logo Sebastian DrabnitzkeHandwerk.
Technik.
Zukunft.
Erneuerbare Energien

Wärmepumpen verständlich erklärt

Eine Wärmepumpe macht Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser für das Gebäude nutzbar. Hier erfahren Sie ohne Fachchinesisch, wie das funktioniert und welches System welche Anforderungen mitbringt.

4 HauptartenNeubau & BestandPlanung und Installation

Einfach erklärt

Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Das Prinzip ähnelt einem Kühlschrank – nur mit umgekehrtem Nutzen. Der Kühlschrank transportiert Wärme aus seinem Innenraum nach außen. Die Wärmepumpe holt Wärme von außen und gibt sie im Gebäude ab.
01

Wärme aufnehmen

Ein Kältemittel nimmt im Verdampfer Umweltwärme auf. Dafür reichen auch Temperaturen unterhalb der Raumtemperatur.

02

Druck erhöhen

Ein elektrisch angetriebener Verdichter komprimiert das gasförmige Kältemittel. Dabei steigt seine Temperatur.

03

Wärme abgeben

Im Verflüssiger überträgt das heiße Kältemittel seine Energie an Heizwasser oder Raumluft und wird wieder flüssig.

04

Druck absenken

Das Expansionsventil senkt Druck und Temperatur. Danach beginnt der geschlossene Kreislauf von vorn.

Wichtig: Die Wärmepumpe erzeugt nicht jede Kilowattstunde Wärme direkt aus Strom. Der Strom treibt vor allem den Transport der bereits vorhandenen Umweltwärme an.

Die vier Hauptarten

Welche Wärmequelle wird genutzt?

Die erste Bezeichnung nennt die Wärmequelle, die zweite die Wärmeabgabe. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt also Außenluft und erwärmt damit das Wasser der Heizungsanlage.
L/W

Außenluft → Heizwasser

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Die verbreitete Lösung entzieht der Außenluft Wärme und speist damit Fußbodenheizung, Heizkörper und meist auch die Warmwasserbereitung.

Vorteile
  • Keine Bohrung und keine Brunnen erforderlich
  • Auf vielen Grundstücken nachrüstbar
  • Vergleichsweise geringer Erschließungsaufwand
Nachteile
  • Bei kalter Außenluft steigt der Strombedarf
  • Ventilator und Verdichter erzeugen Geräusche
  • Abtauwasser und Aufstellort müssen geplant werden
Bei der Installation beachten

Schall, Luftführung, Kondensatablauf, frostfreie Leitungsführung, tragfähiger Sockel und kurze Wege zum Heizraum frühzeitig abstimmen. Ecken zwischen reflektierenden Wänden sind ungünstig.

S/W

Erdreich → Heizwasser

Sole-Wasser-Wärmepumpe

Eine frostsichere Flüssigkeit, die „Sole“, zirkuliert durch Erdkollektoren, Erdkörbe oder Erdsonden und transportiert Erdwärme zur Wärmepumpe.

Vorteile
  • Relativ gleichmäßige Wärmequelle über das Jahr
  • Hohe Effizienz und kein großer Außenventilator
  • Passive Kühlung kann möglich sein
Nachteile
  • Höherer Aufwand für Erdarbeiten oder Bohrung
  • Nicht jedes Grundstück und jeder Untergrund eignet sich
  • Genehmigungen oder Anzeigen können erforderlich sein
Bei der Installation beachten

Flächenkollektoren benötigen ausreichend unbebaute Grundstücksfläche. Erdsonden erfordern Fachplanung und Bohrarbeiten. Zuständigkeiten und örtliche Vorgaben vor Auftragserteilung klären.

W/W

Grundwasser → Heizwasser

Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Grundwasser wird über einen Förderbrunnen entnommen, gibt Wärme ab und fließt über einen Schluckbrunnen wieder in den Untergrund.

Vorteile
  • Grundwasser besitzt oft eine gleichmäßige Temperatur
  • Sehr gute Betriebsbedingungen möglich
  • Außenbereich bleibt ohne großes Lüftergerät
Nachteile
  • Wassermenge und Wasserqualität müssen passen
  • In der Regel zwei Brunnen und eine Genehmigung erforderlich
  • Brunnen und Wärmetauscher benötigen Kontrolle
Bei der Installation beachten

Vorher sind Wasseranalyse, Ergiebigkeit und Fließrichtung zu untersuchen. Förder- und Schluckbrunnen müssen fachgerecht geplant werden; die örtliche Wasserbehörde ist früh einzubeziehen.

L/L

Außenluft → Raumluft

Luft-Luft-Wärmepumpe

Das System erwärmt die Raumluft direkt über Innengeräte. Viele Split-Klimageräte können deshalb sowohl kühlen als auch heizen.

Vorteile
  • Schnelle Reaktion und gezielte Raumregelung
  • Kein wassergeführtes Heizsystem erforderlich
  • Heizen und Kühlen mit einem System möglich
Nachteile
  • Warmwasser benötigt meist eine eigene Lösung
  • Luftbewegung und Innengeräusche im Raum
  • Mehrere Räume brauchen mehrere Innengeräte
Bei der Installation beachten

Außen- und Innengeräte, Kältemittelleitungen, Kondensatabläufe und Elektroversorgung müssen sinnvoll angeordnet werden. Die Raumaufteilung entscheidet über Zahl und Position der Innengeräte.

Direkter Überblick

Die Systeme im Vergleich

SystemWärmequelleInstallationsaufwandTypische StärkeBesonders prüfen
Luft-WasserAußenluftNiedrig bis mittelFlexibel nachrüstbarSchall, Aufstellort, Abtauwasser
Sole-WasserErdreichHochStabile WärmequelleUntergrund, Fläche, Genehmigung
Wasser-WasserGrundwasserHochSehr gute QuellentemperaturWasserqualität, Ergiebigkeit, Brunnen
Luft-LuftAußenluftNiedrig bis mittelSchnelles Heizen und KühlenWarmwasser, Luftverteilung, Innengeräte

Neubau und Bestand

Passt eine Wärmepumpe zu meinem Gebäude?

Nicht allein das Baujahr entscheidet. Wichtig ist, wie viel Wärme das Haus benötigt und mit welcher Heizwassertemperatur die Räume an kalten Tagen warm werden.
Gute Voraussetzungen
  • Heizlast und tatsächlicher Wärmebedarf sind bekannt
  • Niedrige Vorlauftemperaturen reichen aus
  • Fußbodenheizung oder ausreichend große Heizkörper
  • Hydraulik und Heizkurve können sauber eingestellt werden
  • Geeignete Wärmequelle und sinnvoller Aufstellort vorhanden
Vorher genauer prüfen
  • Sehr hohe Vorlauftemperaturen werden dauerhaft benötigt
  • Einzelne Räume bleiben trotz voll geöffneter Heizkörper kalt
  • Gebäudehülle oder Wärmeverteilung haben deutliche Schwachstellen
  • Platz, Schall oder Stromanschluss sind noch ungeklärt
  • Die alte Kesselleistung wird ungeprüft als neue Leistung übernommen
Ein hilfreicher Praxistest im Bestand

An einem kalten Tag die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung schrittweise absenken und prüfen, ob alle Räume noch komfortabel warm werden. Der Versuch ersetzt keine Heizlastberechnung, liefert dem Fachbetrieb aber wertvolle Hinweise.

Von der Idee zum Betrieb

Installation richtig planen

Eine passende Maschine allein reicht nicht. Effizienz, Lautstärke und Komfort hängen stark von Auslegung, Hydraulik, Aufstellung und Inbetriebnahme ab.
  1. 1
    Gebäude und Heizlast erfassen

    Raumweise bestimmen, welche Leistung tatsächlich benötigt wird – nicht einfach die Leistung des alten Kessels übernehmen.

  2. 2
    Heizflächen und Temperaturen prüfen

    Ermitteln, welche Vorlauftemperatur ausreicht und ob einzelne Heizkörper vergrößert oder ergänzt werden sollten.

  3. 3
    Wärmequelle auswählen

    Platz, Untergrund, Grundwasser, Schall, örtliche Regeln und Investitionsaufwand gemeinsam bewerten.

  4. 4
    Warmwasser und Hydraulik planen

    Speicher, Leitungen, Volumenstrom, hydraulischen Abgleich und mögliche Sperrzeiten aufeinander abstimmen.

  5. 5
    Elektroanschluss klären

    Hausanschluss, Zählerplatz, Absicherung, Steuerung und gegebenenfalls einen separaten Wärmepumpentarif prüfen.

  6. 6
    Sauber in Betrieb nehmen

    Heizkurve, Volumenströme, Zeitprogramme und Warmwassertemperatur einstellen und nach der ersten Heizperiode kontrollieren.

Sonder- und Ergänzungslösungen

Weitere Begriffe kurz eingeordnet

Brauchwasser-Wärmepumpe

Bereitet ausschließlich warmes Trinkwasser und nutzt häufig Raum- oder Abluft. Sie ersetzt keine vollständige Raumheizung.

Abluft-Wärmepumpe

Nutzt Wärme aus der kontrolliert abgeführten Gebäudeluft. Interessant vor allem in sehr gut gedämmten Gebäuden mit Lüftungsanlage.

Hybridanlage

Kombiniert eine Wärmepumpe mit einem weiteren Wärmeerzeuger. Die Regelung entscheidet, welches Gerät den Bedarf übernimmt.

Eisspeicher und PVT

Spezielle Wärmequellen, die je nach Grundstück und Energiekonzept sinnvoll sein können, aber eine individuelle Fachplanung benötigen.

Häufige Fragen

Kurz und verständlich beantwortet

Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit Heizkörpern?

Ja, wenn die Heizkörper bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme abgeben. Große oder moderne Niedertemperatur-Heizkörper helfen. Oft müssen nicht alle Heizkörper getauscht werden; eine raumweise Prüfung zeigt, wo Anpassungen nötig sind.

Kann eine Wärmepumpe im Winter noch heizen?

Ja. Auch kalte Außenluft enthält Wärme. Bei Luft-Wasser-Systemen wird der Temperaturhub an sehr kalten Tagen größer, weshalb Effizienz und verfügbare Leistung sorgfältig ausgelegt werden müssen.

Was bedeuten COP und Jahresarbeitszahl?

Der COP beschreibt einen Betriebspunkt unter festgelegten Bedingungen. Die Jahresarbeitszahl betrachtet das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über einen längeren realen Zeitraum. Sie wird deshalb stark von Gebäude, Temperaturen, Einstellungen und Nutzerverhalten beeinflusst.

Braucht jede Wärmepumpe einen Pufferspeicher?

Nein. Ob und wie groß ein Pufferspeicher sein sollte, hängt von Hydraulik, Mindestvolumenstrom, Heizflächen, Regelung und möglichen Sperrzeiten ab. Ein unnötig großer Speicher kann zusätzliche Wärmeverluste verursachen.

Kann eine Wärmepumpe auch kühlen?

Viele Systeme können kühlen. Erd- und Grundwassersysteme erlauben teils eine sparsame passive Kühlung; reversible Anlagen können aktiv kühlen. Heizflächen, Taupunktüberwachung und Kondensatschutz müssen dafür geeignet sein.

Weiterführende Informationen

Quellen und fachlicher Hinweis

Diese Seite vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Heizlastberechnung, Genehmigungsprüfung oder individuelle Anlagenplanung. Anforderungen können sich je nach Bundesland, Kommune, Grundstück und gewählter Wärmequelle unterscheiden.