Wärme aufnehmen
Ein Kältemittel nimmt im Verdampfer Umweltwärme auf. Dafür reichen auch Temperaturen unterhalb der Raumtemperatur.
Handwerk.Eine Wärmepumpe macht Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser für das Gebäude nutzbar. Hier erfahren Sie ohne Fachchinesisch, wie das funktioniert und welches System welche Anforderungen mitbringt.
Einfach erklärt
Ein Kältemittel nimmt im Verdampfer Umweltwärme auf. Dafür reichen auch Temperaturen unterhalb der Raumtemperatur.
Ein elektrisch angetriebener Verdichter komprimiert das gasförmige Kältemittel. Dabei steigt seine Temperatur.
Im Verflüssiger überträgt das heiße Kältemittel seine Energie an Heizwasser oder Raumluft und wird wieder flüssig.
Das Expansionsventil senkt Druck und Temperatur. Danach beginnt der geschlossene Kreislauf von vorn.
Die vier Hauptarten
Außenluft → Heizwasser
Die verbreitete Lösung entzieht der Außenluft Wärme und speist damit Fußbodenheizung, Heizkörper und meist auch die Warmwasserbereitung.
Schall, Luftführung, Kondensatablauf, frostfreie Leitungsführung, tragfähiger Sockel und kurze Wege zum Heizraum frühzeitig abstimmen. Ecken zwischen reflektierenden Wänden sind ungünstig.
Erdreich → Heizwasser
Eine frostsichere Flüssigkeit, die „Sole“, zirkuliert durch Erdkollektoren, Erdkörbe oder Erdsonden und transportiert Erdwärme zur Wärmepumpe.
Flächenkollektoren benötigen ausreichend unbebaute Grundstücksfläche. Erdsonden erfordern Fachplanung und Bohrarbeiten. Zuständigkeiten und örtliche Vorgaben vor Auftragserteilung klären.
Grundwasser → Heizwasser
Grundwasser wird über einen Förderbrunnen entnommen, gibt Wärme ab und fließt über einen Schluckbrunnen wieder in den Untergrund.
Vorher sind Wasseranalyse, Ergiebigkeit und Fließrichtung zu untersuchen. Förder- und Schluckbrunnen müssen fachgerecht geplant werden; die örtliche Wasserbehörde ist früh einzubeziehen.
Außenluft → Raumluft
Das System erwärmt die Raumluft direkt über Innengeräte. Viele Split-Klimageräte können deshalb sowohl kühlen als auch heizen.
Außen- und Innengeräte, Kältemittelleitungen, Kondensatabläufe und Elektroversorgung müssen sinnvoll angeordnet werden. Die Raumaufteilung entscheidet über Zahl und Position der Innengeräte.
Direkter Überblick
| System | Wärmequelle | Installationsaufwand | Typische Stärke | Besonders prüfen |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | Außenluft | Niedrig bis mittel | Flexibel nachrüstbar | Schall, Aufstellort, Abtauwasser |
| Sole-Wasser | Erdreich | Hoch | Stabile Wärmequelle | Untergrund, Fläche, Genehmigung |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | Hoch | Sehr gute Quellentemperatur | Wasserqualität, Ergiebigkeit, Brunnen |
| Luft-Luft | Außenluft | Niedrig bis mittel | Schnelles Heizen und Kühlen | Warmwasser, Luftverteilung, Innengeräte |
Neubau und Bestand
An einem kalten Tag die Vorlauftemperatur der vorhandenen Heizung schrittweise absenken und prüfen, ob alle Räume noch komfortabel warm werden. Der Versuch ersetzt keine Heizlastberechnung, liefert dem Fachbetrieb aber wertvolle Hinweise.
Von der Idee zum Betrieb
Raumweise bestimmen, welche Leistung tatsächlich benötigt wird – nicht einfach die Leistung des alten Kessels übernehmen.
Ermitteln, welche Vorlauftemperatur ausreicht und ob einzelne Heizkörper vergrößert oder ergänzt werden sollten.
Platz, Untergrund, Grundwasser, Schall, örtliche Regeln und Investitionsaufwand gemeinsam bewerten.
Speicher, Leitungen, Volumenstrom, hydraulischen Abgleich und mögliche Sperrzeiten aufeinander abstimmen.
Hausanschluss, Zählerplatz, Absicherung, Steuerung und gegebenenfalls einen separaten Wärmepumpentarif prüfen.
Heizkurve, Volumenströme, Zeitprogramme und Warmwassertemperatur einstellen und nach der ersten Heizperiode kontrollieren.
Sonder- und Ergänzungslösungen
Bereitet ausschließlich warmes Trinkwasser und nutzt häufig Raum- oder Abluft. Sie ersetzt keine vollständige Raumheizung.
Nutzt Wärme aus der kontrolliert abgeführten Gebäudeluft. Interessant vor allem in sehr gut gedämmten Gebäuden mit Lüftungsanlage.
Kombiniert eine Wärmepumpe mit einem weiteren Wärmeerzeuger. Die Regelung entscheidet, welches Gerät den Bedarf übernimmt.
Spezielle Wärmequellen, die je nach Grundstück und Energiekonzept sinnvoll sein können, aber eine individuelle Fachplanung benötigen.
Häufige Fragen
Ja, wenn die Heizkörper bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur genug Wärme abgeben. Große oder moderne Niedertemperatur-Heizkörper helfen. Oft müssen nicht alle Heizkörper getauscht werden; eine raumweise Prüfung zeigt, wo Anpassungen nötig sind.
Ja. Auch kalte Außenluft enthält Wärme. Bei Luft-Wasser-Systemen wird der Temperaturhub an sehr kalten Tagen größer, weshalb Effizienz und verfügbare Leistung sorgfältig ausgelegt werden müssen.
Der COP beschreibt einen Betriebspunkt unter festgelegten Bedingungen. Die Jahresarbeitszahl betrachtet das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über einen längeren realen Zeitraum. Sie wird deshalb stark von Gebäude, Temperaturen, Einstellungen und Nutzerverhalten beeinflusst.
Nein. Ob und wie groß ein Pufferspeicher sein sollte, hängt von Hydraulik, Mindestvolumenstrom, Heizflächen, Regelung und möglichen Sperrzeiten ab. Ein unnötig großer Speicher kann zusätzliche Wärmeverluste verursachen.
Viele Systeme können kühlen. Erd- und Grundwassersysteme erlauben teils eine sparsame passive Kühlung; reversible Anlagen können aktiv kühlen. Heizflächen, Taupunktüberwachung und Kondensatschutz müssen dafür geeignet sein.
Weiterführende Informationen
Diese Seite vermittelt Grundlagen und ersetzt keine Heizlastberechnung, Genehmigungsprüfung oder individuelle Anlagenplanung. Anforderungen können sich je nach Bundesland, Kommune, Grundstück und gewählter Wärmequelle unterscheiden.